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Rezension: The Beauty Book- Kenneth Willardt teNeues

Dieser traumhaft schöne Bildband, der von Kenneth Willardt inszeniert worden ist, beginnt mit einem Vorwort in englischer, deutscher und französischer Sprache von Sciascia Gamcaccini. Die Moderedakteurin weiß, dass erst wahrhaftige Schönheit zeitlos ist.  Dabei spielten Alter, Makel und Grenzen keine Rolle.  Genau dies verdeutlicht Willardt im vorliegenden Bildband, der bereits wegen dieser  wenigen Worte neugierig macht, aber das Interesse wird noch gesteigert, nachdem man das Interview von Alessandra Steinherr mit dem Künstler gelesen hat. 

Hier erfährt man u.a., dass Willardts ästhetische Herangehensweise beim Fotografieren durch Irving Penn, Richard Avedon und Helmut Newton geprägt worden ist. 

Für Willardt ist ähnlich wie für Gamcaccini Schönheit zeitlos. Deshalb auch ist sie es, die Ausgangspunkt von allem darstellt, was er macht. Nicht unwichtig, der Akt ist für ihn die reinste Form der Porträtfotografie.

Der Fotograf antwortet klug auf Fragen wie etwa, was ein gutes Bild ausmache und woher eigentlich seine Ideen kommen, aber auch auf die Frage, welche Gefühle er mit seinen Bildern bei Menschen wecken möchte. Kenneth Willardt überlässt es dem Betrachter, sich eine Meinung zu bilden. Sehr sympathisch.

Der Reigen beginnt mit Claudia Schiffer.  Ein witziges Foto, denn sie hat einen Ohrclip im Mund, immerhin ein dicker Smaragd mit Diamanten. Da muss man schon sehr schön sein, wenn der Blick nicht zuerst an dem Kleinod haften bleibt. 

Schöner noch allerdings erscheint Milla Jovovich, im zarten Gewand. Sie zeigt ihre schönen Beine und fasziniert durch ihr hocherotisches Gesicht. Man hält inne, blättert weiter und entdeckt neben einigen Männern, die  nur am Rande beeindrucken, immer wieder schöne,  oft nackte Frauen, unter ihnen Barbara Di Creddo, auf einer zweisitzigen Couch unbekleidet liegend, fast alles verbergend und gerade deshalb hocherotisch und sehr schön. 

Man nimmt Frauen mit und ohne Kurven wahr, sinnlich und geheimnisvoll und bei allem dokumentierend, dass es doch die Augen sind, die wirklich überzeugende  Schönheit  erst zum Leben erwecken. 

Wann ist eine Frau zeitlos schön? Kate Potter wird es sein und Jane Fonda ist es eindeutig, beide von Willardt abgelichtet.  Zeitlose Schönheit bedingt eine schöne Seele, die von uns Reinheit bis ins hohe Alter abverlangt. Schon bei jungen Frauen kann man erkennen, ob sie die Chance in sich tragen, zeitlos schön zu sein. Nicht alle jungen, schönen Frauen im Buch werden die Chance nutzen, obschon sie diese erkennbar in sich tragen, denn zeitlose Schönheit fordert  ihren Tribut und dieser heißt Unverkäuflichkeit. 

Interactive Book und App ca. 304 Seiten, einschließlich 1 Altarfalz Hardcover 
ca. 170 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien 
Texte Englisch, Deutsch und Französisch 

Sehr empfehlenswert.

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Rezension: Glorious - Frank de Mulder

Die Aktfotos von Frank de Mulder in diesem Buch sprechen eine deutliche Sprache. Die Frau von heute hat sich von Männern gewissermaßen abgewandt. Fortan liebt sie nur noch sich selbst und andere Frauen und das auch in körperlicher Hinsicht. Schwierige Zeiten brechen nun für die Herren der Schöpfung an. Die Zukunft wird gewiss nicht von allen rosig Rosa gesehen. Dies ist die Vorabbotschaft, die ich beim ersten Blättern den schönen Aufnahmen dem Fotoband entnehmen durfte.

Gewiss werden die erotischen Bilder auch dem ein oder anderen Adam gefallen und dessen Sexualfantasien im Hinblick auf Frauen vielleicht ein letztes Mal anregen, bevor er bis zum Abwinken zu sublimieren beginnt oder sich frustriert seinesgleichen zuwendet.

 Einige Bildbände des belgischen Fotografen, dessen Arbeiten ich sehr schätze, habe ich bereits rezensiert. Da ich mir mit viel Vergnügen erotische Aufnahmen, sofern sie ästhetisch sind, von meinen Geschlechtsgenossinnen anschaue und auch sehr gerne über das, was es zu sehen gibt, berichte, möchte ich sogleich mit den Bildbeschreibungen beginnen.

Frank de Mulder teilt in seinem Vorwort zu "Glorious" mit, dass er bereits 25 Jahre als Fotograf arbeitet und sein neues Buch als "Ode an die Frau" begreift. Sein Bestreben sei es, seine erotischen Bilder immer ausdrucksstarker und gewagter zu machen. Seine Hoffnung ist, dass die Fotos den Betrachter inspirieren und den Blick auf die Welt erweitern.

Was gibt es zu sehen?

Zunächst drei schöne Frauen in einem möglicherweise italienischen Palazzo. Der Murano-Leuchter und das Deckengemälde lassen mich dies vermuten. Im Vordergrund sieht man eine blonde Schönheit, bekleidet mit schwarzen Dessous, Nylons, hochhackigen Schuhen, einem kostbaren Halsband und einem hochwertigen Handgelenkschmuck. Ihre Augen sind mit einem schwarzen Spitzenstrumpfband verbunden, dabei lehnt sie an einer Marmorsäule. Sie schickt sich an, das rechte BH-Körbchen über ihre nackte Brust zu ziehen, nachdem sich offenbar die schwarzhaarige Schöne- diese trägt übrigens keinen BH - mit ihrer Zofe (in obligatorischer Kleidung) von ihrem blonden Lustobjekt abgewandt hat und in ihre Gemächer zurückzieht. Natürlich überlegt der fantasievolle Betrachter, was sich Minuten zuvor an dieser Säule zugetragen haben mag.

Es folgen weitere Bilder, in denen Damen in schwarzen Dessous, die Fantasie des Betrachters anregen. Wobei die Blicke der erotisierten Frauen keineswegs denen gleichen, die zwischen Mann und Frau im erotisierten Zustand ausgetauscht werden. Sie sind hingebungsvoller.

Eines der Bilder nennt Frank de Mulder "Lovehotel". Über seine diesbezügliche fotografische Peepshow berichtet er im Rahmen eines Interviews. Besagte Aufnahmen, die man dem Bild "Lovehotel" entnehmen kann, sind tatsächlich sehr gewagt und werden von mir deshalb nicht beschrieben, weil die Beschreibung möglicherweise pornografisch gedeutet werden könnte.

Immer wieder erlebt man im weiteren Verlauf des Buches sich küssende Frauen in eindeutig erotischer Pose, immer nur mit zarten Dessous bekleidet, offensichtlich stets keinen Mann vermissend. Die Damen sind sich selbst genug. Meine Betrachtungsergebnisse zu Beginn der Rezension sind also nicht aus der Luft geholt, sondern präzise Bildanalysen.

Ganz zauberhaft und vortrefflich fotografiert ist eine Brünette, die nur eine apricotfarbene Korsage trägt. Doch die Farbe ihrer Bekleidung ist eine Ausnahme, zumeist tragen die Frauen schwarze Dessous und nicht selten geht es um die lesbische Liebe.

Frauen mit einem Sinn für schöne Dessous kommen hier ebenso auf ihre Kosten, wie Frauen, die sich des Anblicks schöner, nur spärlich bekleideter Geschlechtsgenossinnen erfreuen können. Männer werden sich beim Studium dieser Traumfrauen ein wenig überflüssig fühlen, gewiss ins Grübeln kommen und sich nicht selten die Frage stellen: "Was hat sie, was ich nicht habe?" Ich verrate es Ihnen: Einen formvollendeten Körper, dazu schöne Dessous und Highheels. :-))

Ein schöner Bildband. Sehr ästhetisch. Raffinierte Aufnahmen überaus attraktiver, viel Sinnlichkeit ausstrahlender Frauen.

Empfehlenswert.

Helga König

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Glorious

Rezensionen: Diamonds & Pearls - Marc Lagrange

Dieser Bildband zeigt traumhafte Fotos des belgischen Akt-Fotografen Marc Lagrange. Selten habe ich erotische Frauenbilder gesehen, die sich mit meinem Geschmacksempfinden so sehr decken. Mich wundert es nicht, dass Lagrange binnen kurzer Zeit bereits zu einem der originellsten und talentiertesten Aktfotografen weltweit avancierte, denn er versteht es, wie kaum ein anderer die subtile Erotik einer Frau einzufangen, wo andere sich mit bloßen Sex zufrieden geben. Es ist die Sinnlichkeit, die seine Bilderwelten so unnachahmlich erscheinen lässt und der Mix aus Romantik und Freizügigkeit, der die Protagonistinnen dieses Fotokünstlers zu unnahbaren, aber dennoch aufreizenden Göttinnen stilisieren.


 Bedenkt man, dass Langrange aus der Diamantenmetropole Antwerpen stammt, so begreift man sofort seine Lust, die nackte Haut der Fotomodelle mir wertvollen Pretiosen zu schmücken. Der Fotokritiker Manfred Zollner, der das Vorwort verfasst hat, deutet Diamanten und Perlen als schimmernde Symbole für "luxuriöse Liebe und lieben Luxus". Nach seinem Dafürhalten inszeniert Lagrange in seinen Bilderwelten "Sehnsuchtsorte der Verführung und Abenteuerplätze der Libido im eleganten Dekor vergangener Epochen".


Zollner lässt den Leser wissen, dass Lagrange mit einer Stylistin verheiratet ist und seine Welt (vielleicht deshalb?) in erdigen Farbtönen, mit einer bestimmten Textur konstruiert, wodurch die Bildinhalte fast greifbar erscheinen. Ich möchte an dieser Stelle nicht vollständig die Fotointerpretationen aus dem Vorwort wiedergeben, nur resümierend festhalten, dass ich generell zustimme.
Alle Frauen haben etwas Geheimnisvolles, haben schöne und dabei sinnliche Augen und ziehen allein schon deshalb den Betrachter an. Geschmückt mit Perlen, Diamanten und anderen Pretiosen, wirkt selbst nackte Haut nicht mehr nackt, sondern auf interessante Weise verhüllt.


Frauen mit sehr guten Maßen sind nicht nur nackt, sondern auch in Spitzendessous zu sehen. Einige warten auf ihren Liebhaber, andere sieht man in wohl eher lesbischer Pose. Alle erinnern daran, dass diese Traumwelten eindeutig erotischer Natur sind. Nackte Frauen mit Augenbinden oder solche mit entblößtem Busen scheinen etwas zu versprechen. Dabei wird nicht selten auf subtile Weise eine angstlustvolle Männerphantasie bedient und zwar die des Verlustes seines Objektes der Begierde an eine lesbische Frau.

Viele schöne Frauen in diesem Buch suggerieren, dass sie eher Frauen zugetan und insofern für Männer niemals erreichbar sind. Nur eine junge Frau, die gemeinsam mit einem abgetakelten, alten Lover mehrfach abgelichtet worden ist, wirkt sehr gewöhnlich. Lesbische Frauen hätten an ihr vermutlich kein Interesse.


Jedes Bild erzählt eine Geschichte und die Botschaft des Buches heißt: Je weniger käuflich eine Frau ist, umso mehr innere Schönheit strahlt sie aus, umso mehr wird sie von unsichtbaren Juwelen und Diamanten geschmückt, die nur ein wirklich guter Fotograf wie Marc Lagrange visualisieren kann und nur wirklich feinfühlige Betrachter in ihrer Strahlkraft wahrzunehmen vermögen.

 Empfehlenswert.
  
Bildnachweise: © Diamonds & Pearls by Marc Lagrange, Château Lagrange, 2006, published by teNeues, € 79.90, -www.teneues.com. Photo © 2013 Marc Lagrange. All rights reserved. © Diamonds & Pearls by Marc Lagrange, Erotic Lady, 2012,published by teNeues, - www.teneues.com. Photo © 2013 Marc Lagrange. All rights reserved © Diamonds & Pearls by Marc Lagrange, Millionaire Woman, 2009, published by teNeues,  -www.teneues.com. Photo © 2013 Marc Lagrange. All rights reserved © Diamonds & Pearls by Marc Lagrange, Millionaire Woman, 2009, published by teNeues, -www.teneues.com. Photo © 2013 Marc Lagrange. All rights reserved

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Rezension: Playboy, The Playmates of the Decade (Gebundene Ausgabe)

Die ideale Bettlektüre für ausgehungerte Männer. 

Dieser wunderschöne Bildband präsentiert dem Betrachter mit Sinn für Ästhetik die schönsten Playmates der letzten 10 Jahre aus dem deutschen "Playboy" in einem Band. Florian Boitin, der Chefredakteur des "Playboy" vergisst dabei im Vorwort nicht zu erwähnen, dass dieses Männermagazin "nicht nur in Sachen Fotoinszenierung erotische Maßstäbe setzt, sondern in seiner einzigartigen Bildästhetik Sinnlichkeit und Lebensfreude mit einem humorvollen Augenzwinkern verbindet."

Aktaufnahmen von insgesamt 22 Frauen lernt man kennen, erfährt ihre Namen, den Geburtstag, die Größe, das Gewicht, den Wohnort, die Maße und den Namen der jeweiligen Fotografen sowie Produzenten.

Im Durchschnitt sind die Frauen etwa 170 cm groß, manchmal auch 5 cm kleiner. Das unterscheidet sie optisch von Mannequins. Zum Ausgleich allerdings ist der Blick weniger weltabgewandt.

Als sexistisch empfinde ich keines der Fotos, eher ein bisschen ironisch. Die Mädchen zeigen selbstbewusst ihren entblößten Körper. Dabei zielt das Augenmerk des Betrachters zunächst nicht auf die Beine, sondern auf die hübschen Apfel-Brüste. Der rasierte Schambereich wirkt geradezu entsexualisiert, aber keineswegs deshalb, weil er enthaart ist. Es scheint eine Frage des Blickwinkels der Fotografen zu sein. Die Tatsache finde ich mehr als nur bemerkenswert.

Mein durchgehender Eindruck in diesem Bildband ist der, dass der Mann von heute zwar nicht das Interesse an der Frau verloren hat, aber sehr wohl an ihrem Schambereich. Die Frauenbrüste sind der Blickfang Nr. 1 der Männer geworden. Das lässt tief blicken. Sehnen sich die Männer von heute mehr nach der Mutterbrust als nach einem Objekt für ihre sexuellen Begierden? In Zeiten überbordender Homosexualität würde mich das nicht wundern.

Auf was darf der Betrachter sich nun freuen? Eines meiner Lieblingsfotos zeigt den Torso der Leipzigerin Tanja Kewitsch. Auffallend ist ihre besonders gut gewachsene Brust, die sie unter einem roten abgeschnittenen Netzunterhemd versteckt hält. Das sieht sehr sexy aus. Auf der Haut sind kleine Wassertröpfchen erkennbar. Die Dame scheint gerade vom Schwimmen zu kommen. Auf den Folgebildern präsentiert sich Tanja sehr sportlich in einer Turnhalle. Dabei trägt sie roten Stulpen als einzige Kleidungsstücke am ansonsten nackten Körper. Dieses hübsche Accessoire interessiert vermutlich nur weibliche Betrachter. Der Busen ist der eigentliche Hingucker für Männer, während mein Blick eher auf den schönen Händen dieser Frau verweilt.

Natürlich wird stets mit Männerträumen gearbeitet. Die Frau als Krankenschwester oder Zofe mit schwarzem Korsett, alternativ mit weißer Minischürze und Nylons an Strapsen, selbstredend auf High Heels und ein Spitzenband um den Hals betört Männer, die gerne mal das Sagen bei den Frauen hätten. Gönnen wir ihnen diese Vision.

Einen tollen Körper hat Myriel Brechtel. Mit der Größe von 174 cm nähert sie sich der Körpergröße von Mannequins. Ihr Gesicht wirkt unnahbar und dadurch sehr attraktiv. Sie ist ein Kind der Venus, unerreichbar für die männlichen Betrachter, die vermutlich ohnehin mehr Freude an der Münchnerin Thessa Gierer haben, eine betont erotische Bayerin, die ihren prachtvollen Körper in einer Scheune auf einem Bett aus Stroh präsentiert. Das sind geeignete Fotos für Naturliebhaber. Übrigens sieht man auf einem der nächsten Bilder die schöne Thessa barbusig mit Milchkanne, ihr Haar unter einem rot karierten Kopftuch verborgen. Das ist das Idealbild für Werbung, die unter dem Motto "Urlaub auf dem Bauernhof" stehen könnte.

Männer, die Freude daran haben, kleine Schmusekätzchen beim erotischen Spiel miteinander zu beobachten, kommen auch auf ihre Kosten. Das Playmate Agniesza Hendel darf man im Kühlschrank bewundern, während sie ein Flasche Milch über ihren Körper gießt. Was suggeriert werden soll, muss ich jetzt nicht artikulieren, oder?

Jessica Micari darf man beim Duschen beobachten, weitere Playmates räkeln sich in Betten, am Strand oder anderenorts.

Die Frau mit dem schönsten Gesicht ist meines Erachtens Christine Last. Ihre Augen sind so ausdrucksstark, so dass man erst spät einen Blick auf ihren makellosen Körper wirft. Ihre Ausstrahlung wird Christine lange bewahren können. Das unterscheidet sie von den Frauen, die in erster Linie über den Körper wirken, ein weites Feld.

Ein tolles Buch, nicht zwingend nur für Männer.

© Playboy Deutschland - The Playmates of the Decade, published by teNeues, € 39.90, - www.teneues.com. Photo © 2013. PLAYBOY and Rabbit Head Design are trademarks of Playboy Enterprises International, Inc. and used under license by Playboy Deutschland Publishing GmbH

Rezension: Andreas H. Bitesnich- More Nudes

Dieses Buch enthält künstlerisch sehr wertvolle Aktaufnahmen des 1964 in Wien geborenen Fotografen Andreas H. Bitesnich. Er hebt zu Beginn des Vorwortes hervor, dass er, als er sich für Fotografie zu interessieren begann, das Ziel hatte, Modefotograf zu werden. Doch schon nach seinen ersten Aktaufnahmen wurde die Nachfrage nach solchen immer größer. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 

Seine Gabe besteht darin, den menschlichen Körper immer wieder neu zu entdecken und dem Betrachter seiner Bilder, die Schönheit des nackten Körpers stets aufs Neue zu präsentieren. Für Bitesnich ist die Entstehung eines Bildes etwas Besonderes. Durch dieses Buch möchte er etwas von der Faszination, die für ihn in der Arbeit liegt, mit dem Betrachter teilen. 

 Das Vorwort ist übrigens in englischer, deutscher, französischer, italienischer und spanischer Sprache abgedruckt. Die Namen der Aktmodelle, das Entstehungsjahr und der Entstehungsort werden immer genannt. Die Fotos der nackten Frauen und Männer zeigen auf ganz hohem Niveau die vielen Facetten von Schönheit, die selbst ein sehr dicker Körper auszustrahlen in der Lage ist, sofern die Proportionen stimmen.

 Erotisierend sind die Fotos nicht in erster Linie. Hier wird das Aktbild zur Kunst, in die man sich vertiefen muss. Sehr eindrucksvoll finde ich ein Foto, das Bitesnich von Rico realisiert hat. Die Aufnahme erinnert an eine Figur von Michelangelo. 

 Wahrlich schön ist das Bild der ungeschminkten, nackten Veronika, die vollkommen in sich selbst versunken, wie ein Gemälde aus der Renaissance daherkommt. 

 Dagmar ist eine nackte Frau mit sehr dicken, aber festen Oberschenkeln, eine Rubensfigur, einst Schönheitsideal während des Barocks, deren Körper durchaus in den Proportionen formvollendet ist. Es kommt also nicht zum Bruch mit dem Anspruch auf Ästhetik. 

 Markus ist ein Mann mit einem prachtvollen Körper, dessen Waschbrettbauch und schönes, erigiertes Glied ihn als Vorzeige-Adam ausweisen. Die Bilder von ihm machen Markus für Frauen und homophile Männer gleichermaßen zur Augenweide, ohne Anzüglichkeit zu transportieren. 

 Der Schwerpunkt bei den Männern, die man bewundern darf, liegen auf den Muskeln. Traumhafte Oberarme. Sehr ästhetisch. Bitesnich vermag Männer erotischer in Szene zu setzen, als Frauen. Diese wirken zumeist sehr knabenhaft, wenn man von Dagmar absieht. 

 Wunderschöne Fotos, ein Kunstgenuss.

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Rezension Frank de Mulder- Senses Small Edition (Gebundene Ausgabe)

Dieser Bildband enthält traumhaft schöne, ästhetisch ausdrucksstarke Aktfotos, die der weltberühmte Fotograf Frank de Mulder realisiert hat. Bewundern kann man sowohl Schwarz-Weiß- als auch Farbfotos attraktiver, junger Frauen. Alle Bilder sind hocherotisch und sorgen dafür, dass selbst die Pupillen von Männern, die schon in die Jahre gekommen sind, sich blitzartig weiten werden. 

Nicht selten tragen die nackten Schönheiten High Heels, teilweise auch hübsche Dessous oder ein raffiniertes Mieder. Manche Modelle haben Strümpfe mit Strapsen an, die meisten sind jedoch völlig nackt.

Man erfährt von allen Mädchen den Namen und den Ort, wo die jeweiligen Fotos entstanden sind.

 Ich zähle zu den Frauen, die kein Problem beim Betrachten erotischer Fotos von meinen Geschlechtsgenossinnen haben, sofern diese Aufnahmen ästhetisch gelungen sind. In meinen Augen sind Bilder, wie sie Mulder macht, eine Beweis dafür, wie selbstbewusst jungen Damen heute mit ihrem Körper umgehen. Eine Tatsache, die mich erfreut. Nichts spricht dagegen, einen schönen Körper für viele Betrachter sichtbar zu machen. Die Zeiten der Prüderie sollten der Vergangenheit angehören.

Natürlich wird durch einzelne Posen die Männerfantasie angeregt. So sieht man eine der Schönen sich nackt, geradezu einladend auf einem Bett räkeln. Dabei bedeckt sie verführerisch ihre Scham mit dem Zipfel eines weißen Lakens. 

Einige weichgezeichnete Damen in lesbischer Pose sind auch auf den Bildern zu sehen. Männer lieben solche Fotos, wie ich gelesen habe, weil sie sich in ihrer Fantasie als Retter in Szene setzen können, die diese armen, verirrten Geschöpfe vom falschen Weg wegführen, sobald sie in ihrem Adamskostüm auftauchen. Eine Fantasie, die mich amüsiert. 

De Mulder legt den Schwerpunkt beim Fotografieren auf die Brüste der Modelle. Seltener hat man Gelegenheit Gesäße zu bewundern. Obschon hier auch wunderbare, künstlerisch gelungene Fotos dabei sind. 

Bei den meisten Frauen ist der Gesichtsausdruck geradezu entrückt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass sie sich keineswegs vor der Kamera in Szene setzen, sondern tatsächlich auf ihren Geliebten warten, um mit ihm das älteste Spiel der Welt zu inszenieren. 

Empfehlenswert 

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Rezension: Der kleine Liebesberater: 100 Fragen und Antworten zu Sex und Partnerschaft (Broschiert)

"Der kleine Liebesberater" von Prof.Dr. Manfred Hassebrauck ist ein recht desillusionierendes, dabei aber überaus lesenswertes Büchlein, das all jenen nicht schmecken wird, die mit rosa Brille auf der Nase, Liebesbeziehungen anstreben.

 Der Wissenschaftler forscht seit über 30 Jahren nach welchen Kriterien man seinen Partner auswählt und wie man es bewerkstelligt, eine erfüllte Beziehung zu führen. Seine Untersuchungsergebnisse trägt er im Frage- und Antwortstil vor. 

 Um den Begriff Liebe zu definieren, bezieht er sich auf die Untersuchungsergebnisse des Psychologen Robert Sternberg von der Yale Universität. Dieser begreift Liebe als eine Mixtur aus Leidenschaft, Intimität und Bindung. Was man unter den einzelnen Begriffen zu verstehen hat, erläutert der Autor ausführlich und gut nachvollziehbar. 

 Seine 100 Fragen und Antworten hat er in 9 Kapitel gepackt. Wer schon etwas länger auf dieser Erde lebt, wird bei vielen Antworten zustimmen und die Untersuchungsergebnisse nicht groß in Zweifel ziehen. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel.

 Interessant fand ich das Kapitel Strategien und Taktiken. Hier auch nimmt der Sozialpsychologe zur Frage Stellung, inwiefern das Internet das Kennenlernen verändert hat. Das Internet hat einen nicht geringen Einfluss darauf, wie wir uns kennen lernen. Man kommuniziert in erster Linie unverkrampfter miteinander, spricht rascher über private Themen, wodurch schneller emotionale Nähe und Vertrautheit zu Stande kommt. Das Problem für viele scheint zu sein, die Fülle an Informationen richtig zu gewichten. Bei aller Problematik glaube ich, dass dem Kennenlernen im  Internet die Zukunft gehören wird, obschon das heute für meine Generation kaum vorstellbar ist. 

 Frauen in einem höheren Lebensalter haben übrigens immer noch eine geringe Chance einen Partner zu finden, als Männer. Da gleichaltrige Männer statistisch gesehen eher an jüngeren Partnerinnen interessiert sind. Der Altersunterschied zwischen Mann und Frau beträgt im Durchschnitt in der ersten Ehe 3,2 Jahre. Nach jeder weiteren Ehe eines Mannes vergrößert sich der Altersunterschied. Nichts hat sich hier groß geändert seit den Tagen der Emanzipation. 

 Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Menschen, deren Interessen und Lebenseinstellung ähnlich sind, eine bessere Chance besitzen, auch eine länger andauernde Beziehung zu haben und Männer keineswegs Schönheit an die erste Stelle bei der Partnerwahl stellen, sondern Einfühlsamkeit, Treue, Zuverlässigkeit etc. als wichtigste Kriterien nennen.

 Untreue ist der häufigste Scheidungsgrund, gefolgt von Unähnlichkeit in Vorstellungen und Überzeugungen. Auch nicht uninteressant. 

Trifft man auf geschiedene Personen, sollte man meines Erachtens zunächst ermitteln, was die Scheidungsursache war. Geschiedene haben ein höheres Scheidungsrisiko. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich, so etwa bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, die zu Beziehungsproblemen und zur Trennung führen. Neurotizismus ist eine solche Eigenschaft. Dabei handelt es sich um emotionale Labilität, die neurotische Verhaltensmuster zum Ergebnis hat. Bei Personen, die ein zweites Mal geschieden sind, ist das Scheidungsrisiko noch größer. 

 Der Autor beantwortet viele interessante Fragen wissenschaftlich fundiert, unmöglich diese im Rahmen der Rezension alle zu streifen. Die Antworten verschaffen dem Leser mehr Klarheit in Sachen Partnerwahl und Ursachen für Beziehungsbrüche und machen begreifbar, weshalb manche Beziehungen einfach aufgrund der Konstellationen totgeborene Kinder sind. 

 Ein Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension:Fünf Männer für mich: Ein Sexperiment (Taschenbuch)


Den vorliegenden kurzweiligen Selbsterfahrungsbericht hat die Künstlerin und Managerin Annette Meisl verfasst. Sie ist die Gründerin der Künstleragentur "LA Gala", Produzentin von Theaterstücken und Betreiberin einer kubanischen Zigarrenmanufaktur.

Ihr Buch ist ein Appell an alle Frauen, zumindest einmal im Leben mehrere Liebhaber gleichzeitig zu haben, denn Meisl ist der Ansicht, dass man nur durch einen solchen Selbstfindungsprozess wirklich zu sich selbst findet und tatsächlich zu lieben bereit sei.

Ausgangspunkt ihres Projektes, an dem sie die Leser teilnehmen lässt, ist die Trennung von ihrem Mann, dem sie 15 Jahre treu war, der sie aber während der Ehe sexuell betrogen hat. Als sie davon erfährt, leidet sie zunächst immens, beginnt jedoch recht bald zu überlegen, wie sie sich zukünftig vor solchen Schmerzen schützen kann und entscheidet sich für ein sexuell vollkommen freies Leben mit mindestens 5 Liebhabern, ein Leben, in dem sie die Konditionen festlegt.

Ihre sexuellen Erfahrungen beschreibt sie ausführlich und sprachlich gekonnt. Dabei macht sie im Vorwort deutlich, dass alle Menschen, die im Buch vorkommen, reale Personen sind und nur einige Personen miteinander verschmolzen und zu fiktiven Charakteren verarbeitet wurden.

Meisl begreift sich als sexuell polygame Frau, die während ihres "Experimentes" lernt, ihre hormonell bedingte Begierde von Liebesgefühlen zu unterscheiden, ganz so wie es bei Männern seit Jahrtausenden üblich ist. Hier haben Frauen noch Nachholbedarf.

Sie lernt viel über Männer und Sexualität kennen und ist davon überzeugt, dass in Zukunft kein Mann mehr die Grundfesten ihres Selbstbewusstsein erschüttern kann. Zu wünschen ist ihr das, allerdings habe ich diesbezüglich meine Zweifel. Sexuelle Befreiung ist zwar wichtig, doch sie genügt nicht alleine, um sich wirklich emotional unabhängig zu machen und nicht mehr anfällig zu sein für emotionale Verletzungen. Hier helfen wohl eher Psychotherapien, die den Schwerpunkt auf Abgrenzung legen.

Zur reinen sexuellen Triebabfuhr sind Männer nicht notwendig. Das hat Meisl zwar auch erkannt,(sie entdeckt trotz ihres Harems den Víbrator für sich) doch ihr Problem scheint darin zu liegen, ihr Selbstwertgefühl mittels Männern stärken zu müssen. Ihr scheint nicht klar zu sein, dass selbst 20 wechselnde Líebhaber ihr nicht helfen können, ihre Selbstwertproblem zu lösen.

Solange wir mit anderen Menschen in Beziehung treten und uns öffnen, besteht die Gefahr sich Leid auszusetzen, es besteht aber auch die Gefahr zu leiden, wenn wir uns isolieren. Ein weiteres Feld.

Das Buch ist sehr süffig geschrieben. Dafür und für die Tatsache unter eigenem Namen als Frau ein sexuell so freizügiges Buch verfasst zu haben, 5 Sterne. Das ist tapfer. Es gibt Länder, wo man die Autorin für einen solchen Bericht steinigen würde. 

Rezension:Let's speak love (Gebundene Ausgabe)

Dies ist das allerwichtigste Buch in diesem Frühling. Jeder, der jünger als 120 Jahre ist, sollte es nicht nur auf Reisen in der Jackentasche haben. Hier nämlich lernt man zunächst die wesentliche Sätze zur intersexuellen Kontaktaufnahme in fünf Sprachen (in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch) kennen, die es uns beispielsweise ermöglichen, einen spanischen Adonis an einem einsamen Strand auf Mallorca mit den Worten anzusprechen "Estás solo aqui?" oder aber einem drahtigen Bergsteiger aus der Lüneburger Heide auf der Zuspitze die arglose Frage zu stellen, "Kennen wir uns?"


Ein junger Nordfriese, der sich gerade in Paris aufhält und dort von einer hübschen Französin angelächelt wird, sollte den Dialog vielleicht mit "Comment appellez-vouz?" beginnen. Nennt die Schöne ihren Namen, dann sollte er ihr auf jeden Falle antworten "Quel joli prénom!" und auf keinen Fall sofort die Frage hinterherschieben "Que penseriez vous d`un dernier verre chez moi?". Das nämlich ist plump.


Der Leser lernt jeweils in fünf Sprachen taugliche Sätze zur intersexuellen Konversation in der Bar, im Club oder auf dem Ball kennen. Gefallen haben mir die Sätze "Machen Sie sich bitte nicht so an mich ran" oder auch "Au! Sie treten mir auf die Füße!" und "Lassen sie meinen Reißverschluss in Ruhe". Das sind klare Ansagen, die von Männern sofort begriffen werden.


Nette Erklärungen, Komplimente und Versprechungen gibt es auch in den genannten fünf Sprachen. Am eindeutigsten ist der Satz "I desire you", der Rest ist zumeist eine Verschleierung des eigentlichen Wollens.


Kosename findet man viele in den fünf Sprachen. Kein Kosenamen ist so schön wie der spanische "Mi Corazón".

Dass deutschsprachige Frauen den Mann an ihrer Seite ihren Verrückten nennen, wird sicher gute Gründe haben.

Sehr spannend ist das Bettgeflüster in fünf Sprachen. Die Worte "Schrei nicht so, du weckst das ganze Haus auf" können natürlich viele Ursachen haben.

Sätze, die während der Zigarette danach gesprochen werden "I have to go, my husband ist waiting" oder "Sorry, what did you say your name was?" sollte man sich ebenso einprägen, wie solche Sätze, die man gut gebrauchen kann, wenn es ernst wird "Tu peux utiliser mon ordinateur."

Die richtigen Sätze beim gemeinsamen Ausgehen, Heiraten und ein Kinderwunsch kann man im ebenfalls nachlesen und braucht sich endlich nichts Eigenes mehr zu überlegen "Did you call the notary for marriage contract?", "Sorry, I changed my mind./I`m getting colt feet."

Die Sätze in punkto Leben zu zweit zeigen, dass die Kera Till gut beobachten kann. Bemerkenswert auch die an den Partner gerichteten Worte "Du hast es nicht verdient", wenn man keine Lust auf Sex hat.

Die Eifersucht seines Ehemannes kann man daran erkennen, wenn er beispielsweise fragt "Wer war der Verrückte, mit dem du gesprochen hast?"
Ach ja, bei Streit mit der oder dem Liebsten ist der sinnvollste Satz "Also, du wirst wirklich verrückt".

Bei Trennung ist der beste Satz wohl "Den wäre ich los!", soweit ich das beurteilen kann.

Je weniger man mit der Liebsten/dem Liebsten spricht, um so weniger gibt es Missverständnisse. Im Grunde genügt dieser kleine Sprachkurs für einen hilfreichen Dialog in fünf Sprachen, speziell bei amourösen Abenteuern.

Ein übrigens hübsch illustriertes Büchlein, das mich ganz ungemein amüsiert hat.

Empfehlenswert. 

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Rezension:Wie der Sex nach Deutschland kam: Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik (Gebundene Ausgabe)

"Beate Uhse stand für drei Entwicklungen: für die Gleichsetzung von Sexualität mit Markt, Geld und Warencharakter und die wachsende Konsumfreude der Bundesbürger, für das Scheitern der Justiz im Sittlichkeitskampf und schließlich für die unmittelbar an Sexualität geknüpfte, auf Kinsey zurückgehende Überzeugung von Fortschritt und Freiheit." (Prof. Dr. Sybille Steinbacher, S. 244)

Prof. Dr. Sybille Steinbacher konstatiert gleich zu Beginn ihres Buches, dass die Sexualität in den 1950er Jahren eines der zentralen Felder politischer und sozialer Auseinandersetzung gewesen sei. Sexualität wurde nicht als Privatangelegenheit betrachtet, sondern es wurden unmittelbare Zusammenhänge zwischen sexuellen Normen und sexuellen Ordnungsvorstellungen hergestellt. Dabei wurde das soziale Selbstverständnis heftig diskutiert. Im vorliegenden Buch geht die Autorin diesen Konflikten als auch den sozialen Funktionen und Bedeutungen, die mit der Sexualität zwischen der Besatzungszeit und den frühen 1970ern in der Bundesrepublik verknüpft wurden, breit angelegt nach.

Erörtert werden die Themenbereiche der gesetzlichen Maßnahmen, welche im Zusammenhang mit dem sogenannten literarischen Jugendschutze getroffen wurden, die sexualwissenschaftlichen Studien des amerikanischen Forschers Alfred C. Kinsey und die Resonanz in Wissenschaft, Medien sowie Publizistik als auch die frühe Erotikindustrie in unserem Lande.


Die Autorin lotet Akteure in der Auseinandersetzung und deren Handlungen, ihre unterschiedlichen Interessen, ihre Konkurrenz und Deutungsmacht, als auch die Reaktion und Wirkung ihrer Aktivitäten aus. Weil es beim Konflikt um Sexualität darum ging, gesellschaftlichen Ordnungsentwürfen Geltung zu verschaffen, spiegelt sich die Auseinandersetzung in Gesetzen, in Rechtsprechung und im Verwaltungshandeln wieder.

Prof. Dr. Steinbacher stellt viele Fragen, die sie in der Studie umfassend zu beantworten sucht, so etwa, wie sich Politik, soziale Eliten und Publizistik in diesem Prozess zueinander verhielten u.a.m. Die Autorin unterstreicht, dass sich die Studie als Beitrag zu einer Geschichte der Bundesrepublik versteht, die gängige Deutungsmuster über die autoritären und rigiden Moralvorstellungen und den Hedonismus der 1960er Jahre durchbricht und stattdessen die Ambivalenzen der fokussierten Epoche hervorhebt.


Weil die Sexualität ein deutungsoffenes Feld darstellte, bündelten sich nach Aussagen der Autorin die Intensionen der sozialen Distinktionswünsche und der kulturellen Überlegenheitsansprüche. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass die Studie eine transnationale Perspektive beinhaltet, weil der Umgang mit Sexualität auch ein Ausdruck der Akzeptanz wie Abwehr kultureller Einflüsse aus den USA verkörperte, zusammengefasst mit den Schlagworten der sogenannten Amerikanisierung und der Ausbreitung der Populärkultur. Dabei sorgten die Medien dafür, dass die Sexualität nach der NS-Zeit wieder ein verhandelbares Thema wurde, besonders in Verbindung mit den Kinsey-Berichten in den USA. Der Wandel der sexuellen Normen fand in jener Zeit nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten westlichen Welt statt, das soll nicht unerwähnt bleiben.

Prof. Dr. Steinbacher bezweckt durch ihre Studie die Sexualgeschichte in die Zeitgeschichte einzubinden und betont dabei, dass der Konflikt um Sexualität sich nicht auf ein Symptom der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus reduzieren lässt.

Ihr Buch in drei große Abschnitte untergliedert. Diese lauten:
Sittlichkeit und Staatsräson
Kinsey und der Fortschritt
Konsumzeitalter und sexuelle Befreiung

Alles sehr aufschlussreich und von daher empfehlenswert.
 
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Mythen der Liebe- Ruth Westheimer

Das vorliegende Buch erzählt von der Liebe in ihren ungezählten Facetten und dies geschieht dadurch, dass der Leser mit den schönsten klassischen Mythen vertraut gemacht wird.

Auf den Weg gebracht wurde das Buch von Dr. Ruth K. Westheimer und Jerome E. Singermann.

Dr. Ruth K. Westheimer, die ich das Vergnügen hatte auf der Frankfurter Buchmesse 2010 persönlich kennenzulernen, ist am 4.6.1928 geboren. Die Jüdin verließ Deutschland im Kindesalter. Ihre Eltern wurden in Ausschwitz ermordet. Ich möchte an dieser Stelle nicht ihre gesamten Lebensdaten, die man dem Klappentext entnehmen kann, wiedergeben, aber doch erwähnen, dass sie einst an der Sorbonne Psychologie und in den USA Soziologie sowie Sozialwissenschaften studierte und an der Columbia University ihren Doktortitel erwarb. Westheimer doziert heute noch in Princeton und Yale, wo sie als gefragte Expertin gilt.

Die Sexualwissenschaftlerin möchte anhand der Mythen aufzeigen, dass sich im Grunde an der Liebe zwischen zwei Menschen seit dem Altertum nichts geändert hat und die alten Mythen Probleme in der Liebe sehr gut deutlich machen.

Zur Sprache kommen: Teiresias, Phaidra und Hippolytos, Amor und Psyche, Leda und der Schwan, Helena und Paris, Laodameia und Protesilaos, Hermaphroditos und Salamakis, Narziss, Iphis und Ianthe, Danae, Pasiphae und der Stier, Theseus und Ariadne, Dido und Aeneas, Pygmalion und die Staue, Kanake und Makareus, Myrrha und Kinyras, Venus und Adonis, Pyramus und Thisbe, Hero und Leander, Orpheus und Eurydike, Alkestis und Admetos, Kephalos und Prokris, Akontios und Kypdippe, Keyx und Alkyone sowie Philemon und Baucis.

Den kurz szizzierten Geschichten sind Abbildungen berühmter Kunstwerke beigegeben, die Westheimer kommentiert hat. Mir gefällt, dass die Autorin im Hinblick auf den Mythos von Narziss Salvadore Dalis "Metamorphose des Narziss" gewählt hat, weil dieses Gemälde eine große Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten zulässt und wie kein anderes Bild deutlich macht, wohin Selbstverliebtheit führt. Auf den letzten Seiten des Buches findet man die Bildnachweise der insgesamt 26 Bilder.

Westheimer arbeitet sehr gut heraus, worum es bei den einzelnen Mythen geht. Es führt zu weit, an dieser Stelle alle 25 Mythen zu thematisieren, aber ich möchte auf die nach Westheimer vielleicht sinnlichste und erotischste Liebesgeschichte der ganzen Mythologie hinweisen. Hierbei handelt es sich um "Amor und Psyche". Die Autorin merkt an, dass sich hier zwei besonders schöne junge Liebende in der Dunkelheit begegnen und sich nicht durch Blicke, sondern durch die Berührung des Körpers kennenlernen. Dennoch genügt Psyche der gute und erfüllende Sex nicht. Sie muss ihren Geliebten in vollem Licht sehen und als den erkennen, der er ist, gleichgültig, welches Risiko dies birgt. Ihre Leidenschaft kann nur zu Liebe heranreifen, wenn sie dies tut, (vgl.S. 35 und 36). Den anderen als den erkennen, der er ist, macht Liebe erst möglich. Am Beispiel des Narziss wird deutlich, dass nicht jeder dazu in der Lage ist.

Ich war überrascht, wie viele Mythen mir bislang unbekannt waren. So hatte ich von "Alketis und Admetos" bislang ebenso wenig etwas gehört wie von "Kephalos und Prokris" und von "Laodameia und Protesilaos" hatte ich auch noch nie etwas vernommen.

Ich musste wirklich grinsen als ich den allseits bekannten Mythos von "Helena und Paris" las. Westheimer schreibt im Hinblick auf Paris, der als Prototyp für Männer einer bestimmten Art ein gutes Beispiel liefert: "Und glauben Sie mir, diese Typen sind nicht die tollen Hechte, für die sie sich halten beziehungsweise als die sie sich präsentieren, sondern oberflächliche Einfaltspinsel von der Sorte, die auf dieser Welt viel zu viel Schaden anrichtet."(Zitat: S. 56) Das sehe ich auch so.

Die Autorin unterstreicht, dass das Problem von Narziss nicht in erster Linie darin besteht, dass er sich selbst liebt, sondern genau wie Hermaphroditos, keinen liebt, (vgl.: S. 76). Am Beispiel von Narziss kann man gut nachvollziehen, was mit Menschen geschieht, die sich ausschließlich selbst lieben. Im Grunde nehmen sie ein kummervolles Ende, weil ihre Selbstverliebtheit keine Erfüllung finden kann.

Tief beeindruckt bin ich immer, wenn ich den Mythos von "Pygmalion und der Statue" lese. Es ist im Grunde die Geschichte der Traumfrau, die nicht perfekt bleiben kann, wenn sie ein Mensch aus Fleisch und Blut geworden ist. Westheimer fragt in diesem Zusammenhang nicht grundlos "Wann ist der Partner eigentlich der perfekte Partner? In einer Zeit der Internetlieben entsteht, wie ich meine, dieser Mythos immer wieder neu mit all seinen Erwartungshaltungen, die kaum ein Mensch zu erfüllen vermag."

Ein sehr nüchternes Urteil fällt Westheimer bezüglich "Hero und Leander", von denen sie meint, dass sie wegen ihres guten Aussehens und ihrer sinnlichen Anziehungskraft sehr schlechte Liebhaber waren, (vgl. S. 174).

Dr. Westheimer zeigt viele Facetten der Liebe auf und sie reflektiert ganz zum Schluss die Geschichte von "Philemon und Baucis". Die beiden Liebenden werden eines Tages, als sie vor dem Tempel stehen und auf ihr Leben zurückblicken auf Wunsch von Philemon in Bäume verwandelt. Sie wünschen sich während des Umwandlungsvorgang noch Lebewohl aber sie werden nicht getrennt, denn die Linde und die Eiche verschlingen ihre Äste einer Umarmung gleich auf ewig miteinander.

Die verwitwte Autorin kann sich den Weg, den das alte Liebespaar in dem Mythos ging, für sich nicht vorstellen, trotz ihrer großen Trauer um ihren verstorbenen Gatten. Das ist mehr als verständlich, wenn man Dr. Ruth K. Westheimer einmal persönlich erlebt hat. Sie ist quirligstes Leben pur, eine Frau, für die Liebe Leben bedeutet und nicht deren Gegenteil.


Ein sehr schönes Buch, das anregt über die Liebe und ihrer Abgründe nachzudenken.



Rezension:Slow Sex: Zeit finden für die Liebe - (Gebundene Ausgabe)

Bald soll der Herbstblues beginnen. Um diesem zu entrinnen, gibt es viele Möglichkeiten. Die schönste von allen dürfte "Slow-Sex" sein:-))

Was man unter "Slow-Sex" zu verstehen hat, erklärt uns im vorliegenden Buch die Südafrikanerin Diana Richardson. Sie ist Körpertherapeutin und Tantra-Lehrerin. Mit ihrem Mann gemeinsam bietet sie weltweit Kurse für Paare an, in denen sie diesen verdeutlicht, wie man entschleunigten Sex kultiviert. Anstelle allzu aktiv zu sein, geht es darum, nicht so sehr auf den Orgasmus abzuzielen, sondern vielmehr das Tempo zu drosseln und jeden Moment bewusst zu genießen, damit die subtileren Nuancen der Vereinigung nicht verloren gehen, so die Südafrikanerin.

Beim "Slow-Sex" bleibt man aufgrund der Langsamkeit im kühlen Bereich, denn die Langsamkeit nimmt dem Sex die Hitze. Wie Richardson festhält, sei das gut so, denn die zarten Wurzeln des Glücks und der Ektase mögen lieber ein kühles als ein heißes Klima.

Das Buch ist in zehn Kapitel untergliedert, in denen jeweils ein "universeller Stoffwechselverstärker" zur Sprache kommt. Was man darunter zu verstehen hat, wird im Buch gut nachvollziehbar erklärt.

Jedes Kapitel bietet wichtige Informationen, aber auch praktische Orientierungshilfen. So erfährt man beispielsweise im dritten Kapitel mehr über die Bewusstheit, die es uns möglich macht, unser höheres sexuelles Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Mit deren Hilfe vermögen wir den Körper innerlich zum Leben zu erwecken und uns auf die uns innewohnende sexuelle Vitalität einzuschwingen, (vgl: S.13). Bewusstheit ist demnach der Schlüssel zur sexuellen Seligkeit. Bewusst anstelle von mechanisch, meine Herren! Bewusst heißt sich vollkommen auf das Jetzt zu konzentrieren, Sex mit offenen Augen zu realisieren und zunächst bei sich selbst anzukommen, um auf diese Weise von der gegenseitigen Bewusstheit entfacht, wirklich zufriedenstellend sexuellen Genuss zu erleben.

Kapitel 4 befasst sich mit der sexuellen Intelligenz unseres menschlichen Körpers. Hier erfährt man, dass unsere Genitalien über ihre eigene Weisheit verfügen und am besten wissen, auf welche Weise sie sich vereinigen, wenn man ihnen nur Raum und Gelegenheit gibt. So ist das erste Hineingehen in den Körper der Frau entscheidend dafür, dass das Niveau der Erregung niedrig bleibt. Sofern der Mann eine Erektion hat, sollte er beim ersten Hineingehen ganz bewusst, sprich sehr langsam sein. Auf diese Weise dehnt er Millimeter für Millimeter den Kanal der Vagina aus. Je langsamer desto besser. Immer dann, wenn er einen Widerstand in der Vagina spürt, sollte er innehalten, denn das Gewebe benötigt Zeit, um warm zu werden und den Penis in sich aufzunehmen, (vgl.: S.65).

Anhand von Illustrationen hat man Gelegenheit, sich rotierende Stellungen um die genitale Verbindung klar zu machen, sofern der Text als Erläuterung nicht ausreichen sollte. Wobei Richardson sehr gut erklärt.

Beim Slow-Sex ist Sex ohne Erektion erwünscht, weil hier die sexuelle Vereinigung unabhängig von Stimulation, Erregung oder Erektion die eigentliche Erfüllung darstellt. Das niedrige Erregungsniveau macht eine spirituelle Vereinigung erst möglich, um die es beim wirklich erfüllenden Sex eben geht.

Es ist nicht möglich, im Rahmen der Rezension alle Kapitel im Buch näher zu beleuchten. Kapitel 8 möchte ich aber nicht unerwähnt lassen. Hier geht es um die Kraft der Gedanken beim "Slow-Sex". Richardson hält fest, dass der Orgasmus als Ziel unsere sexuelle Konditionierung widerspiegelt. Dabei geht der Gedanke dem Zwang, dem Verlangen und dem Orgasmus voraus. Die Fixierung auf Erregung und auf den Höhepunkt sei ein Teil einer ererbten sexuellen Konditionierung, die unseren wahren sexuellen Ausdruck wesentlich störe, (vgl.: 114). Ein Gedanke, dem ich zustimme.

Ferner stimme ich Richardsons Empfehlung zu, Sex mit offenen Augen zu erleben, um auf diese Weise einerseits sexuellen Fantasien zu entgehen und andererseits das Hier und Jetzt vollständig wahrzunehmen und sich genau darauf bedingungslos einzulassen. Präsent zu bleiben ist das A und O jeder sexuellen Begegnung. Eine solche Präsenz ist erlernbar. Sie ist die Voraussetzung für eine langsame, meditative liebende Vereinigung weiblicher und männlicher Energie zu sanfter, fortwährender kühler Ektase, die eine spirituelle Verbindung mit dem göttlich erfüllenden Moment der körperlichen Liebe erst ermöglicht.

Empfehlenswert.

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Rezension: nimm es nicht persönlich- Sylvia B.


Sylvia B., die geheimnisvolle Schöne oben in meinem Header, ist Autorin zahlreicher von mir rezensierter Bücher, eine begnadete Lyrikerin, die in ihrem jüngsten, mir hier vorliegenden Buch mit alten und neuen poetischen Texten aufwartet, die die Autorin als eine sehr feinfühlige, verletzliche aber auch zur Zynikerin gewordene Frau outen, die trotz aller Erfahrungen, die sie in ihren Texten verarbeitet, noch immer offen von ihrer Sehnsucht schreiben kann, wenn sie sich neu verliebt hat. Dass sie dies kann, gefällt mir an Sylvias Gedichten, aber nicht nur dies, sondern auch der Mix aus zarten Liebestönen, knallhartem, präzisen, unerbittlichem Verstand und der Freude am Sex, mit dem sie erfrischend offen umgeht, wie ihre Texte, mehr noch ihre Bilderwelten dokumentieren.


In die poetischen Texte hat Sylvia Aktbilder von sich eingebunden, ein mutiges Experiment, das ich mit großem Interesse reflektiert habe, weil hier eine Frau, nicht nur durch emotionsstarke Worte, sondern auch körperlich einen Striptease präsentiert und damit drei Dinge, die zusammengehören, zusammenzufügen weiß: Geist, Seele und Körper. Respekt vor diesem Mut falschverstandene Scham zu überwinden.


Von den zahlreichen gelungenen Fotos, auf denen Sylvia in Dessous gehüllt, nicht nur auf ihrem Bett posiert, habe ich jenes gewählt, das vermutlich Männerphantasien am meisten anregt, aber zeitgleich durch die textliche Botschaft (die letzten Zeilen eines ihrer Gedichte) unmissverständlich verdeutlicht, dass alle, die hier zupacken wollen, damit rechnen müssen, dass ihnen mit sarkastischen Worten die Hand abgebissen wird.

„bestimmt möchte er /mit mir /ins geschäft kommen/ ich händel nicht/mit menschenhändlern“

Den Anmerkungen kann man entnehmen, dass die lyrischen Texte von Seite 34 und 35 in Zusammenarbeit mit unser beider Freundin Tuna von Blumenstein für den Krimi „der hässliche Zwilling“ entstanden sind.

Sylvias Wortschöpfung „stöckelwild“ amüsiert mich übrigens, weil sie sich damit über die Highheels und ihren hervorragend zelebrierten Exhibitionismus lustig macht, den man oben im Header und breitgefächert im Buch bewundern kann.


Ich mag Sylvias schöne Beine, konnte ihr aber keines ihrer Beinbilder, die im Buch abgelichtet sind, entlocken. Sie wollte den Lesern meiner Rezension stattdessen den nackten Popo zeigen. Damit war ich einverstanden, weil dieser ja tatsächlich eine Augenweide darstellt.:-))


Von ihren poetischen Texten möchte ich einen hier vorstellen, den ich am meisten mag. Er ist frei von Zynismus. Es handelt sich um ein Liebesgedicht, das Gefühle zum Ausdruck bringt, die wir alle kennen:


„plötzlich werde ich wach
einfach so
ich weiß nicht
was ich geträumt habe
ob ich
überhaupt träume

aber ich spüre
in dem moment
des erwachens
da ist noch jemand
der nicht schlafen kann
und
der an mich denkt

ich spüre gedanken
die mich erreichen
spüre
sehnsucht
ein gefühl das sich
wie heimweh
anfühlt
und
einen hauch
von trauer

nachts
wenn alles ruhig ist
empfange ich
diese ströme
spüre sie
ganz deutlich

weiß in dem moment
ganz sicher
da ist jemand
der an mich denkt

und wünsche mir
dass Du das bist.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Stern Spezial Fotografie 63: Helmut Newton (Stern Fotografie) (Gebundene Ausgabe)

Dieser Bildband enthält beeindruckende, hocherotische Fotografien des Starfotografen Helmut Newton aus Jahren 1973-2000.
Newton realisierte 27 Jahre lang Modefotografien für das Hamburger Magazin "stern", wobei seine Themen Sex und Luxus, Erotik und Eleganz waren, wie man der vierseitigen Kurzbiografie im Buch entnehmen kann.

In den 1970er bis Mitte der 1980er Jahre war der "stern" die einzige deutsche Publikumszeitschrift, die Newtons Bilder veröffentlichte. Damals gab es noch keine deutsche "Vogue" und auch noch keine "Elle".

Man hat Gelegenheit, sowohl etwas in deutscher als auch in englischer Sprache über das Leben des 1920 in Berlin geborenen jüdischen Fotografen zu erfahren, bei dessen Bildern es wenig Sinn habe, nach irgendeiner Theorie oder einem ästhetischen Überbau zu suchen. Wie man auf Seite 2 der Kurzbiografie erfährt, erkenne man Newtons ersten Modefotos an, bloß seinen ungeduldigen Blick, den Subtext von Mode freizulegen und zwar dass sie Frauenköper verpacke und die darin schlummernde Kraft des Sexes. Für Newton war die Mode Hülle der Macht, nichts anderes. Mode soll diesbezüglich der Architektur nicht unähnlich sein und Newton setzte, so Jochen Siemens, lange Frauenbeine wie Säulen und Brüste wie Kuppeln femininer Tempel ins Bild.

Siemens hebt hervor, dass der vieldiskutierte Starfotograf nie schwache, erniedrigte oder unterlegene Frauen zeigte und sie nie zu Objekten des Betrachters machte, sondern zu Subjekten des Geschehens. Was die Aufnahmen im Buch anbelangt, kann ich das bestätigen.

Auf den ersten Seiten sieht man zwei barbusige Camperinnen in Ramatuelle im Jahre 2000 mit wunderschönen Apfelbrüsten. Auffallend ist das Selbstbewusstsein, das sie ausstrahlen. Beide sind Subjekte des Geschehens, ohne Zweifel. Modebilder aus dem Jahre 1980, aufgenommen in Los Angelos, zeigen Frauen mit sehr langen Beinen, die sie in Netzstrümpfe gehüllt haben, ihren Blick auf halbnackte schöne junge Männer gerichtet. Diese Männer sind das Objekt ihrer Studien und keineswegs umgekehrt.

Eine Frau, in schwarze Spitze gehüllt, beobachtet auf zwei Fotos den Fotografen, auf dem dritten zeigt sie ihm - wie eine stolze Spanierin - die nackte Schulter.

Newton amüsierte sich vermutlich köstlich, als er einen kleinen Mann mit dickem Bauch in einer Badehose einer schöne barbusigen Blondine mit hochhackigen Schuhen gegenüberstellt, die mehr als zwei Köpfe größer ist als er. Er darf sie anschmachten.

Viele seiner Bilder verraten, dass Newton ein Schelm war, der diesen Wesenszug in seinem kreativen Tun auslebte. 1993 realisierte er das grandiose Foto "Eva mit der Pickehaube", das zu Zeiten Kaiser Wilhelm vermutlich dazu geführt hätte, dass man ihn seitens seiner Geschlechtsgenossen gelyncht hätte.

Eine Aufnahme, die im Jahre 2000 entstand, zeigt ein neuzeitliches Paradies, in welchem Eva es natürlich ist, die den passiven Adam verführt. Auf der dann folgenden Seite ist es erneut die nackte Eva, die diesmal einen Baumstamm schultert. Die Botschaft ist angekommen: Newton macht Männer zu Statisten des Geschehens.

Ein Foto der noch sehr jungen Claudia Schiffer aus dem Jahre 1993 und Bilder anderer Modelle in der Folge, verdeutlichen das positive Miteinander von Frauen, in dem alte Klischees keinen Platz mehr haben. Selbst bei dem Foto "Voyeurismus" zeigt Newton, wer nach seiner Ansicht das Heft in der Hand hat. Der Mann jedenfalls nicht.


Das Foto, das mich am meisten amüsiert, ist jenes, auf dem Newton mit dem deutschen Frollein (Claudia Schiffer mit Zopfschnecken und Hut) zu sehen ist. Er hält ihr (beide sitzen auf einer Bank) eine Tüte mit Gummibärchen(?) hin- doch sie nimmt weder den Fotografen noch seine Süßigkeiten zur Kenntnis. Wirklich schöne Frauen lassen sich von Sugar-Daddys eben nicht verführen. Das könnte die Botschaft des Bildes sein, muss es aber nicht.
Empfehlenswert.


Bilder:
Cover: Portfolio No. 63 Helmut Newton, distributed by teNeues, www.teneues.com.
Für das Bild:
Photo © The Helmut Newton Estate

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Rezension: Komm in meine Nacht

Dieser Gedichtsband enthält erotische Gedichte namhafter Lyriker aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Bei den Illustrationen im Buch handelt es sich um wunderschöne, erotische Zeichnungen von Gustav Klimt, die unmissverständlich verdeutlichen, dass die Liebe zwischen Mann und Frau ohne sexuelle Komponenten undenkbar ist.

Die Gedichte sind den Oberbegriffen: empfindsam, berauschendschön, sehnsüchtig, erwartungsvoll, wachgeküsst, sinnenfroh, heißgeliebt, wollusttrunken und traumverloren zugeordnet.

Auf Seite 96 fand ich ein Gedicht von Octavio Paz, das er vermutlich einst seiner Frau, einer bildschönen, blonden Französin, gewidmet hat. 1981 war ich gemeinsam mit acht anderen Studenten und unserem argentinischen Professor auf unserer mehrwöchigen Studienreise durch Mexiko bei Octavio Paz eingeladen. Besagte äußerst attraktive Französin führte uns durch die eheliche Wohnung in den Garten zu einem gläsernen Pavillon. Dort saß Octavio Paz an seinem Schreibtisch und lächelte uns Studenten beinahe gütig, zumindest aber wohlwollend an, während seine Frau ihm im Vorbeigehen liebevoll über das Haar strich. Dann erst begann er über die sozialpolitischen Verhältnisse in Lateinamerika mit uns zu sprechen. Dieses Bild hat sich in meinen Kopf eingeprägt. Der Nobelpreisträger Octavio Paz ist leider bereits verstorben, geblieben ist sein beeindruckendes Werk, zu dem auch das nachstehende Liebesgedicht zählt:

Tastend
Meine Hände
öffnen die Vorhänge deines Seins
kleiden dich in eine andere Nackheit
entblößen die Körper deines Körpers
Meine Hände
erfinden einen anderen Körper
auf deinem Körper

Octavio Paz
(1914-1998)

Natürlich schrieben Dichter und Dichterinnen der Antike andere erotische Gedichte als die Lyriker und Lyrikerinnen im Hier und Heute und Frauen drücken Liebe und Begehren lyrisch anders aus als Männer und zwar in allen Zeiten, wie man feststellen darf.
Unter dem Begriff "traumverloren" fand ich ein Gedicht, das mich ähnlich berührt hat wie jenes von Octavio Paz. Es handelt sich um ein Gedicht von Christian Morgenstern (1871-1914). Dieses Gedicht ist ebenfalls sehr zart und subtil erotisch, wie ich finde:

Von dir schein ich aufgewacht

Von dir schein ich aufgewacht,
und küsse dich am Halse,
und du, ohne Lid zu heben,

legst den Arm um mich, und sacht,
wie nach einer Chopin-Valse,
meinst du mit mir hineinzuschweben....
(siehe Seite 142)

Die erotischen Zeichnungen Gustav Klimts beginnen zu leben, sobald man sie als Visualiserung der Versinhalte begreift: "Mein Geschlecht zittert/wie ein Vögelchen/unter dem Griff deines Blicks./"...(Hilde Domin, 1909-2006)...oder auch "Schling mir den Arm um die lechzenden Glieder,/leg deinen Kopf an mein sehnendes Herz,/Küsse nur Lippen und Busen und Augen,/lass uns vergessen, vergessen den Schmerz."(Franziska von Reventlow, 1871-1918).

Ich frage mich, ob ein poesievoller Mann der bessere Liebhaber ist? Vielleicht, denn er umarmt auch mit Worten und das macht ihn für uns Frauen natürlich unwiderstehlich. Welche Frau ist nicht bezaubert von den Worten dieses Geliebten:

"Schön bist du, meine Freundin,
ja, du bist schön.
Hinter dem Schleier
deine Augen wie Trauben.
Rote Bänder sind deine Lippen;
lieblich ist dein Mund.
Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein,
wie die Zwillinge einer Gazelle,
die in den Lilien weiden.
Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen,
will ich zum Myrrhenberg gehen,
zum Weihrauchhügel."
(Vers aus dem Hohelied, Seite 90)

Ich wage mich keinen einzigen der Verse im Buch analysierend zu zerlegen, ihm ein Geheimnis zu entlocken, das ja stets nur für zwei Menschen gedacht ist: die jeweiligen Liebenden.

Vielleicht träumt man und denkt an eine ähnliche Situation, wenn man liest: "Manchmal bei irgendwelchen zufälligen Bewegungen streift meine Hand deine Hand deinen Handrücken/".... , jeder kennt das und mitunter spürt man diese Hand noch nach Jahren, wenn auch nur gedanklich...

Empfehlenswert.


Rezension: David Drebin The Morning After.

Dieser schöne  Fotobildband wurde von dem Fotografen David Drebin realisiert. Die Fotos sind nicht kommentiert und können insofern, unbeeinflusst durch eine Beschreibung, auf den Leser wirken.

Im Klappentext erfährt man, dass in den Arbeiten dieses Künstlers voyeuristische und psychologische Betrachtungsperspektiven auf einzigartige Weise zusammenkommen.  Dem stimme ich zu, nachdem ich mich mit den Fotos länger beschäftigt habe. Seine Themen sind u.a. Humor und Sex, Melancholie und Sex und Melancholie und Humor.

Das knappe Vorwort ist in englischer, französischer, spanischer, italienischer und deutscher Sprache verfasst.

Seine Absichten erklärt Drebin unmittelbar bevor die Bilder präsentiert werden. Hier stellt er zunächst Fragen wie etwa:

"Sind Fotografien lediglich zu  Bild gewordene Gedanken?"

Im Hinblick auf die abgelichteten Frauen fragt er:

Wer sind diese Frauen? Was sind ihre Träume? Was sind ihre Absichten? Was ist ihnen wichtig? Was denken sie wirklich über sich selbst und über andere?"

Foto: David Drebin
Der Künstler wünscht sich übrigens, dass die Bilder, die überall auf der Welt aufgenommen wurden und zwar inmitten gewaltiger Meereslandschaften und dramatischer Stadtszenen, wie er hervorhebt, die von den tatsächlichen Situationen dieser Orte berichten, uns als Betrachter ermöglichen, diese Realität in der eigenen Fantasie wiederzuerleben.

Ich möchte Ihnen nun ein wenig über das, was ich im Buch sehe berichten.  Dabei ist es natürlich unmöglich alle Bilder zu beschreiben. Hervorheben möchte ich diese, die mir am meisten gefallen.

Eine hübsche Blondine sitzt im roten Sommerkleid, das rücken-frei  geschnitten ist, auf dem Teppichboden ihres Schlafzimmers. Dass es sich um ein Schlafzimmer handelt, erkennt man an einer Bettecke, die gerade noch auf dem Bild sichtbar ist. Das Bettlaken ist beinahe wie in Erwartung aufgedeckt. Die Frau blickt aus der begehbaren Fensterfront einer vermutlich sehr eleganten  Penthouse-Wohnung  am Central Park in New York auf die belebte Straße. Es ist bereits dunkel. Die Stadt ist erleuchtet. Die  Frau wartet vermutlich auf ihren Geliebten, den sie in weißen  Highheels zu empfangen gedenkt. Obschon man das Gesicht von ihr nicht sehen kann, erahnt man, dass sie bildschön ist. Ihr  makelloser Rücken und ihre Löwenmähne, lassen keinen anderen Schluss zu.

Beeindruckend ist die Abendaufnahme  eines Straßencafés in Paris bei Regen und auch die doppelseitige Meeresansicht, deren Glitzereffekte sich in den Augen einer anderen Frau spiegeln, die eine Seite zuvor und eine Seite nach der Meeresimpression nicht nur männliche Betrachter zu betören sucht.

Sehr sinnlich sind die roten, formvollendeten  Lippen  einer  weiteren Frau, die sie sanft mit ihren rot lackierten Fingern  berührt und dabei sehr sexy wirkt. Diese Brünette trägt ausgewaschenen Jeans und eine kurze schwarze Lederjacke. Ihre Sonnenbrille nutzt sie als Spiegel, um ihre vollen Lippen zu schminken, und  zwar mit einem sündhaft roten Lippenstift.

Durch eine gläserne Tür erblickt man zwei Bordsteinschwalben. Sie tragen Highheels, Nylons, die an Strapsen befestigt sind und die Sinne anregende schwarze Korsagen. Ihre luxuriösen Pelzmäntel sind einladend geöffnet. Hier dürfen die Herren der Schöpfung ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Gefallen wird Männern auch jene Frau, die gerade eine Treppe hinab geht. Sie trägt rote Highheels, schwarze Strümpfe an Strapsen befestigt und eine ebenfalls schwarze Spitzenkorsage. Gleich darauf sieht man eine Schöne, von der ich vermute, dass sie nackt unter dem hurtig zugebundenen Trenchcoat ist.  Von ihrem lustvollen "Quicky" kurz zuvor  soll keiner etwas erfahren, so jedenfalls der Eindruck. Ihre nackten Beine sehen in den Highheels wirklich formvollendet aus. Der Liebhaber wird noch lange davon träumen.

Zwei wunderschöne Blondinen mit langen Haaren, es könnten Lesben sein, betören den Betrachter. Beide Frauen tragen hübsche Cocktailkleider. Die eine der beiden liegt auf einer Couch und  wirkt sinnlich erregt, wie während der Ekstasemomente eines Beischlafs. Die andere sitzt breitbeinig auf den Knien der liegenden Frau und lichtet deren verzückte Gesichtsausdruck ab.

Eine Frau in einem super kurzen roten Minikleid steht an einem Zaun und ist von hinten aufgenommen. Sie trägt silberne Highheels und trägt vermutlich außer diesem roten Fummel nichts am Körper.

Sehr kunstvoll ist das Bild einer Nackten auf einem Stuhl. Ihre Brüste hält sie unter ihren gekreuzten Armen verborgen. Ihr Unterkörper liegt im Schatten und ist nur vage zu vermuten. Sie drückt ein leeres Weinglas fast verliebt an ihren Körper und goutiert offenbar das, was sich kurz zuvor auf diesem Stuhl ereignet hat, nach.

Foto: David Drebin
Die Frau auf der Titelseite ist im Buch abermals auf dem gleichen Motiv zu sehen. Ihre Beine sind sehr gut in Szene gesetzt. Diese Beine haben es verdient gezeigt zu werden. Es folgen eine ganze Reihe von  Stadtpanoramabildern und schließlich erneut eine schöne Brünette mit umwerfend attraktiven, sehr hohen Stiefeletten, die sie zu einem hellbraunen Body trägt. Sehr italienisch. Wirklich geschmackvoll. Sie hat ihren Körper leicht über das Geländer eines Balkons gelehnt,  von dem aus man das Meer sehen kann. Auf der Doppelseite danach erlebt man das Meer  und dessen Gischt in Blau- und Grüntönen.

Sehr schön ist ein Bild, das eine alte Bank bei Nacht zeigt. Sie ist von Büschen umgeben. Auf dieser Bank liegen ein paar sehr süße, hohe  Sommerschuhe. Wo mag die dazugehörige Frau sein? :-))

Wunderschön ist ein Panoramabild von Barcelona am Abend und von einer schönen, diesmal romantisch gekleideten Frau am Meer. Einer solchen Frau schreiben Männer Gedichte, weil sie die Poesie  ihrer männlichen Gegenüber beflügelt.

Die Silhouette einer nackten Frau auf einem Hotelbett weckt bei dem ein oder anderen Betrachter gewiss sexuelle Begehrlichkeiten. Bei mir entstehen eher andere Begehrlichkeiten, wenn ich  die  traumhaften Meeresbilder im Anschluss sehe. Capri muss ein Traum sein.

Empfehlenswert.

Das rezensierte Produkt ist überall im Handel oder unter http://www.teneues.com/ erhältlich.